Bobo Stenson: Goodbye (UHQ-CD)
Goodbye (UHQ-CD)
Herkömmliche CD, die mit allen CD-Playern und Computerlaufwerken, aber auch mit den meisten SACD- oder Multiplayern abspielbar ist.
(soweit verfügbar beim Lieferanten)
- Label:
- ECM
- Aufnahmejahr ca.:
- 2004
- Artikelnummer:
- 12542257
- UPC/EAN:
- 4988031829738
- Erscheinungstermin:
- 11.3.2026
*** Japan-Import
Ein Album des Bobo Stenson Trios ist immer ein Ereignis. Es gibt wohl kaum ein zeitgenössisches Jazz-Piano-Trio, das auf ein derart breit gefächertes Repertoire zurückgreifen kann. „Goodbye“ setzt die Tradition der gewagten Programmgestaltung fort, mit Musik, die von einer Bearbeitung von Henry Purcells „Music For A While“, das vor mehr als 300 Jahren geschrieben wurde, über Stephen Sondheims „Send In The Clowns“ bis hin zu Ornette Colemans „Race Face“ reicht. „There Comes A Time“ (geschrieben von Tony Williams für die Lifetime-Band), „Song About Earth“ des russischen Schauspielers und Protestsängers Vladimir Vyotsky, „Alfonsina“ des argentinischen Komponisten Ariel Ramírez und der von Gordon Jenkins verfasste Standard „Goodbye“ (einst Benny Goodmans Schlussstück und in der Version von Sinatra/Nelson Riddle äußerst populär) runden ein inspirierendes Programm ab.
Bobo Stenson steuert neues Material bei, ebenso wie der Bassist Anders Jormin; die beiden teilen sich seit den Anfängen der Gruppe die Rolle des „musikalischen Leiters“. Und es gibt zwei Stücke von Paul Motian, „Sudan“ und „Jack of Clubs“, wobei letzteres ein alter Favorit aus den frühen 1980er Jahren ist.
Auch Paul Motians Mitwirken ist ein Grund zum Feiern. „Goodbye“ ist der erste dokumentierte Beweis einer musikalischen Zusammenarbeit, die in den letzten fünf Jahren an Dynamik gewonnen hat. Bobo Stenson bewunderte Motians Schlagzeugspiel schon lange – wie wohl jeder Pianist, der mit dem Bill Evans Trio groß geworden ist –, und der schwedische Pianist und der amerikanische Schlagzeuger hatten sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach getroffen und unterhalten, aber bis zum Jahr 2000 nie zusammengearbeitet. Im Herbst jenes Jahres brachte der englische Saxophonist Martin Speake sie für eine Tournee durch Großbritannien und Irland zusammen, in einem Quartett, das durch den Bassisten Mick Hutton vervollständigt wurde. „Eine wirklich wunderbare Tournee“, sagt Stenson, „und Paul und ich hatten eine wirklich gute Verbindung und wurden enge Freunde.“ Nach einer zweiten Tournee in dieser Besetzung und einer ECM-Aufnahme in Oslo, die noch auf ihre Veröffentlichung wartet, lud Stenson Motian ein, mit seinem Trio auf Tournee zu gehen – eine weitere musikalisch bereichernde Erfahrung. In der Folge wurde die Aufnahme von „Goodbye“ geplant.
Realisiert in den New Yorker Avatar Studios, ist es Stensons erste ECM-Platte, die an einem amerikanischen Ort aufgenommen wurde – für den Pianisten ein weiterer Pluspunkt: „Paul Motian in seiner natürlichen Umgebung zu erleben, ist ebenfalls ein großes Vergnügen: Er ist so ein New Yorker.“ Tatsächlich ist Motian ein New Yorker in dem Maße, dass er geschworen hat, seine Heimatstadt nie wieder zu verlassen. Nachdem er fast 60 Jahre lang unterwegs war, plant er nun, wie er sagt, seine verbleibenden Jahre (mögen es viele sein) in der Jazzhauptstadt der Welt zu verbringen.
Als Trio-Schlagzeuger hat Motian nur wenige Gleichgesinnte, und er hat eine Reihe bahnbrechender Klaviertrios inspiriert: nach Bill Evans die Gruppe von Paul Bley. Nach Bley das Trio (und Quartett) von Keith Jarrett. Nach Jarrett folgte Marilyn Crispell (siehe die ECM-Aufnahmen „Nothing ever was, anyway“, „Amaryllis“ und „Storyteller“). Und natürlich leitet er seit mehr als zwei Jahrzehnten sein eigenes, einzigartiges Trio mit Joe Lovano am Saxophon und Bill Frisell an der Gitarre. Das neueste Album des Motian Trios, „I Have The Room Above Her“, erschien im Januar 2005 und wurde vielfach gelobt. Motians Verbindung zu ECM reicht bis zu den Anfängen der Firmengeschichte zurück. Er wirkte auf dem dritten Album des Labels mit, „Paul Bley With Gary Peacock“, das 1970 erschien. ECM war auch das erste Label, das Motian als Bandleader unterstützte und ihn als Komponisten förderte. Weitere Aufnahmen mit dem poetischen und herrlich unberechenbaren Schlagzeuger stehen kurz bevor, darunter eine Trio-CD mit Enrico Rava und Stefano Bollani sowie ein Album mit seiner Electric BeBop Band.
Bobo Stenson kam 1971 zu ECM und spielte mit Jan Garbarek auf „Sart“ ein, wobei er die Zuhörer sofort mit einem Stil beeindruckte, der auf halbem Weg zwischen McCoy Tyner und Bill Evans zu liegen schien. Das äußerst beliebte Jan Garbarek-Bobo Stenson Quartett der Mitte der 70er Jahre („Witchi-Tai-To“, „Dansere“) entstand, als der Saxophonist Stensons Trio beitrat. Stenson hat auch einen wichtigen Beitrag zur Musik anderer Musiker bei ECM geleistet. Er stand in enger Verbindung zu Don Cherry und spielte auf dessen letzter Platte „Dona Nostra“ mit. Außerdem war er zehn Jahre lang Charles Lloyds Pianist und wirkte bei „Fish Out of Water“, „Notes From Big Sur“, „All My Relations“, „The Call“ und „Canto“ mit; zudem brachte er den Bassisten Anders Jormin in die Lloyd-Gruppe ein. Der Pianist und der Bassist arbeiteten in den 1990er Jahren auch intensiv mit Tomasz Stanko zusammen („Matka Joanna“ und „Leosia“ mit beiden, „Litania“ mit Stenson und „From The Green Hill“ mit Jormin).
Bobo Stensons Trio mit Anders Jormin (ursprünglich mit Jon Christensen am Schlagzeug) wurde 1993 mit dem preisgekrönten Album „Reflections“ vorgestellt. Es folgten „War Orphans“ im Jahr 1997 und das Doppelalbum „Serenity“ von 1999, das ebenfalls weltweit viel positive Resonanz in der Presse fand.
Neben seinem Engagement in der Stenson-Gruppe nimmt Anders Jormin auch als Bandleader für ECM auf, darunter Alben wie „Xieyi“, auf dem Solostücke für Bass mit Musik für Blechbläserensemble durchsetzt sind, und „In Winds, in Light“, Jormins Liederzyklus, in dem Naturgedichte für die Stimme von Lena Willemark vertont wurden. Das Ensemble von „In Winds, in Light“ – zu dem auch Marilyn Crispell, die Organistin Karin Nelson und der Schlagzeuger Raymond Strid gehören – bleibt eine von Jormins Prioritäten. Außerdem bildet er ein Duo mit dem finnischen Vibraphon-Virtuosen Severi Pyysalo.
Zeitgleich mit „Goodbye“ in mehreren Ländern weltweit veröffentlicht ECM das Album „Parish“ mit der gleichnamigen Band. Zu dieser Gruppe unter der Leitung von Schlagzeuger Thomas Strønen gehört auch Stenson am Klavier, oft in frei improvisierten Konstellationen.
Bobo Stenson und Anders Jormin touren Anfang November zusammen mit dem Schlagzeuger Jon Fält an der amerikanischen Ost- und Westküste.
Rezensionen
M. Inhoffen in Audio 10/05: "Goodbye ist eine hochklassige Aufnahme geworden. Anders Jormin, schon auf "Serenity" dabei, spielt einen wunderbar runden, weichen Kontrabass, das Rhythmus-Netz knüpft statt Jon Christensen diesmal der unvergleichliche Paul Motion. Mit diesen Partnern und seiner Sensibilität schafft Stenson einen Trio-Sound, der so geschmeidig ist, dass er den Zuhörer in andächtiges Staunen versetzt."S. Thielmann in stereoplay 10/05: "Zeit und Raum scheinen aufgehoben, intimste Begegnungen entfalten eine unwiderstehliche Faszination, irisierend perlen einzelne Töne des Steinways, treffen sich mit vibrierenden Bassklängen und prasselnden Akzenten eines einzelnen Beckens. Trotz der melancholischen Grundstimmung leuchtet diese Musik still von innen heraus."
As beautiful as it is unimmediate, this is an exemplar of its kind. Fred Grand, Jazz Review
Goodbye is an expressive showcase for the talents of both men, as well as bassist Anders Jormin, and hews closely to the directions that the principals have forged over their careers, from the Bill Evans era and forward. The trio starts with an intriguing take on Stephen Sondheim’s “Send in The Clowns”, and then truly shines on original contributions, such as Motian’s exotic and minatory “Sudan”, and Jormin’s luminous arrangements of “Alfonsina” by Ariel Ramirez and “Song About Earth” by Vladimir Vyotsky, making this a truly bewitching listen. Charles Devilbiss, Washington Examiner
Another lovely trio album from the Swedish master, with long-standing associate Anders Jormin on bass, and American guest Paul Motian on drums. … Stenson’s usual lovely touch and finely-honed harmonic invention is entirely evident on a varied selection of material, including Sondheim’s “Send in the Clowns”, Gordon Jenkins’ title track, and a couple of borrowings from classical sources, in the shape of Ariel Ramirez’s “Alfonsina” and Purcell’s “Music for a While”, both given lovely arrangements by Jormin. The bassist contributes several of his oblique original compositions, and again reveals himself to be as interesting a writer as he is a player. Kenny Mathieson, Jazzwise
Stenson is one of the great jazz pianists, underlined in this sublimely democratic trio context with Anders Jormin and Paul Motian. The hackneyed “Send in the Clowns”, for instance, emerges wistful, plaintive and fresh in his hands, while the wonderfully oblique “Goodbye” is a textbook example of this trio’s great flexibility and mutual sensitivity. Their repertoire is wide-ranging, embracing originals by all trio members… Even Henry Purcell’s “Music for a While” is transformed into breathtakingly good jazz while somehow respecting the piece’s character. And their ability to handle such varied material and remain, individually and collectively, unique is ample evidence of their own strength of character. Ray Comiskey, Irish Times Das Trio durchmisst die weit gespannte Programmpalette in intimer Balladenatmosphäre, vorsichtig und sensible tastend, arbeitet in transparentem Zusammenspiel kantable Melodien und verhaltene Stimmungen heraus. Motian hält auf seine unnachahmliche Weise die Balance zwischen Timekeeping, Farbgebung und Unterstützung der Melodie. Und wie Jormin den Kontrabass zum Singen bringt – nicht nur, wenn er zum Bogen greift – ist große Klangkunst. Berthold Klostermann, Fono Forum
Zeit und Raum scheinen ... aufgehoben, intimste Begegnungen entfalten eine unwiderstehliche Faszination, irisierend perlen einzelne Töne des Steinway, treffen sich mit vibrierenden Bassklängen und prasselnden Akzenten eines einzelnen Beckens. Trotz der melancholischen Grundstimmung leuchtet diese Musik still von innen heraus. Sven Thielmann, Stereoplay
Stenson, Jormin und Motian bilden ein großartiges, subtiles Trio, in dem das Interplay eine wichtige Rolle spielt. Das Repertoire der in New York entstandenen Aufnahme zeigt deutlich, dass das Reservoir sogenannter Standards noch nicht aufgebraucht ist. Das Material, über das die drei Könner in leiser, aber stets spannender Weise improvisieren, reicht von Henry Purcells „Music for a While“ über Benny Goodmans Signet „Goodbye“ bis hin zu Musik von Ornette Coleman und Paul Motian. Selbst ein Lied des russischen Barden Vladimir Vysotzki, ein Tango von Ariel Ramirez oder die Musical-Melodie „Send In The Clowns“ werden hier zu kleinen Jazz-Meisterwerken. Nick Liebmann, Neue Zürcher Zeitung
Bobo Stenson war bei aller Nähe zu Evans immer ein eigenwilliger Bewohner seines Schattenreichs, ein gefährlich fragiler Piano- (und Pianissimo-)Klangpoet. Seinen Ruhm zu befördern, lag ihm nicht. Allein, wer ihm auf dem Abstieg in die Unterwelt einmal gefolgt ist, wird den dunklen Glanz kaum mehr vergessen. Stensons neue CD heißt Goodbye, nach der alten Ballade von Gordon Jenkins. ... Stenson nimmt der Sache das Pathos und lässt ihr das Gefühl. Das gilt auch für einen anderen, sich ähnlich statisch auftürmenden Torch-Song, Stephen Sondheims „Send In The Clowns“. ... Und er skizziert zwei Stücke seines Drummers. Der heißt Paul Motian, ist, seit seinen Zeiten mit Bill Evans, der Vater allen perkussiven Pointillismus, ein Meister der Auslassungen und Garant für Unvorhersehbare. Das hört sich, ist einmal eingetreten, immer an, als könnte es anders gar nicht sein. Am Bass ist Stensons langjähriger Partner Anders Jormin, ein großer „Sänger“ des Kontrabasses und sicherer Fährmann auf den unterirdischen Gewässern.
Abermals ein Beispiel von ECM-Sound, wird der eine oder andere nun meinen und die Scheibe zu den übrigen legen. Zu seinem Schaden und unserem Vergnügen. Mit jedem wollen wir die Vorliebe für diesen Pianisten denn doch nicht teilen.
Peter Rüedi, Weltwoche
Tracklisting
Die Hörproben gehören zum Artikel Bobo Stenson: Goodbye (CD). Das Tracklisting kann bei diesem Artikel ggf. abweichen.
Disk 1 von 1 (CD)
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1 Send In The Clowns
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2 Rowan
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3 Alfonsina
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4 There Comes A Time
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5 Song About Earth
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6 Seli
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7 Goodbye
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8 Music For A While
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9 Allegretto Rubato
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10 Jack Of Clubs
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11 Sudan
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12 Queer Street
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13 Triple Play
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14 Race Face
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