Sven Beckstette: Andrea Pichl: deutsch deutsch, Gebunden
Andrea Pichl: deutsch deutsch
- Kat. Ernst Franz Vogelmann-Preis 2026 / Kunsthalle Vogelmann / Städtische Museen Heilbronn
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- Herausgeber:
- Marc Gundel, Rita E. Täuber
- Verlag:
- Snoeck Verlagsges., 06/2026
- Einband:
- Gebunden
- Sprache:
- Deutsch, Englisch
- ISBN-13:
- 9783864424847
- Artikelnummer:
- 12707301
- Umfang:
- 160 Seiten
- Sonstiges:
- farbige Abbildungen
- Erscheinungstermin:
- 30.6.2026
Klappentext
'Es muss hier weh tun, im Westen', sagt Andrea Pichl die Preisträgerin des Ernst Franz Vogel-mann-Preises 2026 für Skulptur. Der Bericht am 28.4.26 in SWR Kultur von Andreas Langen zählt denn auch die vielen Grausamkeiten auf, die Andrea Pichl sorgsam recherchiert und zur Grundlage der Erzählungen ihrer Arbeiten gemacht hat. Denn erstmals ist der renommierte Preis an eine Künstlerin vergeben worden, die in der DDR geboren und in Ost-Berlin aufgewachsen ist. Für ihre Arbeit ist ihre zweigeteilte Biografie zugleich Folie für die Auseinandersetzung mit Architektur und Stadtplanung sowie dem Wechselverhältnis von öffentlichem und privatem Raum. Sie macht den 'Bedeutungswandel des öffentlichen und privaten Lebens vor und nach der deutschen Wiedervereinigung erfahrbar', so die Jury in der Begründung für die Preisvergabe. Andrea Pichl arbeitet mit architektonischen Baukörpern, in Kombination mit Fotografien und Zeichnungen, und spürt damit den Widersprüchen von Geschichte und Geschichten nach und beleuchtet zugleich wirtschaftliche, kulturelle und soziale Dimensionen, die das Verhältnis von Ost und West wesentlich bestimmt haben. Fragwürdig etwa war immer der Transfer von Kapital, Waren und Dienstleistungen zwischen den beiden deutschen Staaten. Die DDR fungierte dabei als verlängerte Werkbank der westdeutschen Möbel-, Elektro-, Haushaltswaren- und Konsumgüterindustrie. Die Recherchen der Künstlerin führen bis in die Stasi-Knäste in denen Gefangenen solcherlei Produktion abgepresst wurde - so klärt die Künstlerin über der Allgemeinheit verborgen Gebliebenes und selbstverständlich explizit Verschwiegenes auf. Für ihre erste Einzelausstellung in Süddeutschland, zugleich die Basis des Kataloges, entwickelte Andrea Pichl ein installatives Konzept mit neuen Arbeiten, das zentrale Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts ins Bewusstsein rücken soll. Drei Standardhaustypen, eines aus dem westdeutschen Baumarkt, ein NS-Behelfsheim sowie der Nachbau einer Genex-Gartenlaube beherbergen u. a. die Produkte aus dem Sortiment von Genex, einer DDR-Firma, die sich als Unternehmen für 'Geschenkdienste und Kleinexporte', unter Obhut der Staatssicherheit auf Geheiß der DDR-Staatsführung etabliert hatte und mit Quelle, Neckermann etc. pp. in den Stasi-Knästen hergestellte Waren gegen Westgeld verhökerte. Im Geschenkkatalog von Genex konnten dann auch folgerichtig Westdeutsche für ihre 'Brüder und Schwestern im Osten' die Gartenlaube und auch sonst knappe Güter bestellen, so sie diese bezahlten; da gab es dann kaum Wartezeiten. Aber Andrea Pichl lädt nicht nur den Raum psychologisch auf, während sie ein Gefühl von Enge und Mief verbreitet, ganz nach dem Slogan des Prospektes vom 'verwirklichten Wochenend-Traum', sie deponiert an den Wänden in einem der Häuschen unter dem Titel 'Blühende Landschaften' auch Fotografien, die bestenfalls als harmlos wirkende Landschaften durchgehen könnten, deren Sujet aber die Giftmülldeponien im Berliner Grenzgebiet sind, auch sie Teil des Devisengeschäfts zwischen BRDund DDR. 'Überspitzt', sagt Sven Beckstette in seiner Preislaudatio: 'Wohlstand made in GDR. Der Ausstellungstitel 'deutsch deutsch' ohne Bindestrich betont nicht die politische Trennung, sondern die gegenseitige Abhängigkeit der beiden Staaten. Nach dem Fall der Mauer wurden dann neue Billiglohnländer gesucht und gefunden. Dies zeigt uns ein Blick in den eigenen Kleiderschrank.'
Biografie (Carsten Probst)
Carsten Probst, geboren 1966 in Hamburg, studierte Slawistik, Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik in Tübingen, München und Hamburg. Er lebt als freier Kunstkritiker mit dem Schwerpunkt zeitgenössischer Kunst in Berlin.Anmerkungen:
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