Heinrich von Herzogenberg
Man mag es kaum glauben: Heinrich von Herzogenberg war in jungen Jahren leidenschaftlicher Anhänger Richard Wagners und der Kunstideale der „Neudeutschen“ um Franz Liszt. Seine symphonische Dichtung „Odysseus“ ist in ihrer musikdramatische Schärfe denn auch ein erstaunliches Zeugnis dieser frühen Phase. Fast direkt nach Abschluss der Partitur 1872 erfolgte eine künstlerische Neuorientierung. Am Ende eines Entwicklungsprozesses stand die konsequente Abkehr von der Zukunftsmusik Wagners und die klare Hinwendung zur Partei der „Traditionalisten“. Sein Komponistenideal fand Herzogenberg fortan in Brahms. Sein Violinkonzert von 1889 legt wiederum hiervon Zeugnis ab – ohne epigonal zu sein. Es ist eine klassizistisch anmutende, über weite Strecken lichtdurchflutete Musik, der man das Mittelmeer-Ambiente, in der sie entstand, förmlich anhört.