Michael de Ridder: Wie wollen wir sterben?, Fester Einband
Wie wollen wir sterben?
- Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin
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- Verlag:
- DVA, 03/2010
- Einband:
- Fester Einband
- ISBN-13:
- 9783421044198
- Umfang:
- 315 Seiten
- Copyright-Jahr:
- 2010
- Gewicht:
- 535 g
- Maße:
- 222 x 145 mm
- Stärke:
- 31 mm
- Erscheinungstermin:
- 15.3.2010
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Preis |
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Beschreibung
Sterben dürfen - die Streitschrift eines Arztes
Die Würde des Menschen muss auch und gerade bei unheilbar kranken und alten Menschen respektiert und bewahrt bleiben. Viel zu oft allerdings setzen sich Ärzte über den Willen ihrer Patienten hinweg, tun alles, was medizinisch und technisch möglich ist, und machen so aus ihnen passive Objekte der Intensivmedizin. Aber Lebensverlängerung, so de Ridder, darf nie zum Selbstzweck werden. Ein leidenschaftliches Plädoyer für Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende.
Der medizinische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hilft zahllosen Patienten, verschafft Heilung oder zumindest Linderung, rettet und verlängert Leben. Gleichzeitig hat Hochleistungsmedizin, wie sie in unseren Krankenhäusern praktiziert wird, aber auch ihre Schattenseiten. Michael de Ridder, seit über dreißig Jahren an verschiedenen Kliniken in Hamburg und Berlin als Internist, Rettungs- und Intensivmediziner tätig, plädiert dafür, Sterben wieder als Teil des Lebens wahrzunehmen und anzuerkennen. Er richtet sich damit nicht zuletzt an die eigene Zunft. Vielfach verstehen sich Ärzte in einer medizinisch-technischen Krankenhauswelt, in der alles möglich scheint, ausschließlich als Heilende. Was aber, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist? Wenn ein Patient »austherapiert« ist, wie es im Fachjargon heißt? Statt Todkranke um jeden Preis am Leben zu erhalten, müssen Mediziner lernen, in aussichtslosen Situationen ein friedliches Sterben zu ermöglichen. Gerade hier, so de Ridder, sind Ärzte gefragt, als Begleiter, als Fürsorger.
Rezension
"Ein leidenschaftliches Plädoyer für Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende." Heilberufe, 05 / 10
Klappentext
Sterben dürfen - die Streitschrift eines Arztes Die Würde des Menschen muss auch und gerade bei unheilbar kranken und alten Menschen respektiert und bewahrt bleiben. Viel zu oft allerdings setzen sich Ärzte über den Willen ihrer Patienten hinweg, tun alles, was medizinisch und technisch möglich ist, und tragen so eher zur qualvollen Sterbeverzögerung als zur sinnvollen Lebensverlängerung bei. Aber Lebensverlängerung, so de Ridder, darf nie zum Selbstzweck werden. Ein leidenschaftliches Plädoyer für Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende. Der medizinische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hilft zahllosen Patienten, verschafft Heilung oder zumindest Linderung, rettet und verlängert Leben. Gleichzeitig hat Hochleistungsmedizin, wie sie in unseren Krankenhäusern praktiziert wird, aber auch ihre Schattenseiten. Michael de Ridder, seit über dreißig Jahren an verschiedenen Kliniken in Hamburg und Berlin als Internist, Rettungs- und Intensivmediziner tätig, plädiert dafür, Sterben wieder als Teil des Lebens wahrzunehmen und anzuerkennen. Er richtet sich damit nicht zuletzt an die eigene Zunft. Vielfach verstehen sich Ärzte in einer medizinisch-technischen Krankenhauswelt, in der alles möglich scheint, ausschließlich als Heilende. Was aber, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist? Wenn ein Patient »austherapiert« ist, wie es im Fachjargon heißt? Statt Todkranke um jeden Preis am Leben zu erhalten, müssen Mediziner lernen, in aussichtslosen Situationen ein friedliches Sterben zu ermöglichen. Gerade hier, so de Ridder, sind Ärzte gefragt, als Begleiter, als Fürsorger.Auszüge aus dem Buch
Es war in der Fr hzeit meiner tlichen Ausbildung: Gerade hatte ich als junger Stationsarzt einer internistischen Station die Oberarztvisite beendet, als mir der Aufnahmearzt telefonisch einen alleinstehenden 64-j igen Patienten im Endstadium einer Tumorerkrankung ank ndigte: "Tu den am besten in ein Einzelzimmer, der stirbt sowieso bald." Der Krankentransport bergab mir einen blassen, h stelnden und vom Tode gezeichneten Mann, der mich aus gro n Augen eines ausgezehrten Gesichts anschaute. er ein freies Einzelzimmer jedoch verf gte ich nicht und auf eine andere Station auszuweichen, war wegen fehlender Betten nicht m glich. Aber war da nicht noch ein freies Bett im einzigen Sechsbettzimmer meiner Station? Ich z gerte. Konnte ich den f nf Patienten dieses Zimmers einen zu Tode Erkrankten wirklich zumuten? Ich erschrak vor meiner eigenen Frage und begriff in diesem Moment: Das Sterben geh rt ins Leben - unter Menschen! Und nicht in die Verlassenheit eines Einzelzimmers.
Eine halbe Stunde lang sprach ich mit den anderen Patienten, deren anf liche Beklommenheit und Bedenken ich schlie ich zerstreuen konnte. "Stell dir vor, du h est Krebs im Endstadium wie er", sagte einer von ihnen in die Runde, und zu mir gewandt: "Wir nehmen den, Herr Doktor, er kriegt einen Fensterplatz!" Die anderen nickten zustimmend. Nie wieder habe ich nliches erlebt: Die Patienten des Sechsbettzimmers organisierten untereinander f r den Todkranken eine 24-Stunden-Sitzwache, sie sa n an seinem Bett, f tterten und wuschen ihn und lasen ihm aus der Zeitung vor. F nf Tage sp r starb er, in ihrer aller Anwesenheit. Einer seiner Mitpatienten sagte bei der Entlassung zu mir: "Diese f nf Tage meines Lebens waren wichtig, ich werde sie nie vergessen."
Ich verga diese Episode bald und erinnerte mich an sie erst Jahre sp r wieder. Im Nachhinein will es mir scheinen, als spielte sie eine Schl sselrolle in meinem tlichen Werdegang. Der war weniger davon gepr , mir m glichst rasch eine klassische Medizinerkarriere als Internist zurechtzuzimmern, z gig die Beherrschung apparativer Verfahren, wie Gastroskopie oder Echokardiografie anzueignen, an wissenschaftlichen Studien teilzunehmen und mich nach M glichkeit um eine Promotionsstelle bei einem tlichen "Meinungsbildner" mit der Aussicht zu bem hen, in Zukunft selbst auf den B hnen der Medizin als Halbgott aufzutreten.
So wichtig es mir w end meiner ersten Berufsjahre zweifellos war, die klinische Medizin sowie apparative diagnostische und therapeutische Fertigkeiten zu erlernen, so sah ich doch bald die f r mich bedeutenderen und fesselnderen Herausforderungen des Arztberufs, von dem ich erst sp begriff, dass er tats lich zu meinem Traumberuf geworden war, im Unterholz der Medizin und auf ihren Brachfl en; mich zog es dorthin, wo die zteschaft offenbar kapituliert hatte, ideenlos geblieben war und wirklicher Versorgungsmangel herrschte.
Wie konnte es sein, dass in einem zivilisierten und medizinisch hoch ger steten Land wie dem unsrigen, das sich gern das Etikett "Sozialstaat" anheftet, zahllose chronisch Kranke und Pflegebed rftige tlich und pflegerisch in einem Ausma unterversorgt waren (und sind), das schlie ich den Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages auf den Plan rief? Wie war es m glich, dass gleichzeitig in der deutschen Kardiologie eine geradezu groteske, Milliardenbetr verschlingende erversorgung (Herzkatheter!) nachzuweisen war und immer noch ist? Welches Selbstverst nis hatte eine zteschaft, die kranke Drogenabh ige in der Vor-Methadon- a praktisch ohne jede medizinische Versorgung lie weil die Medizin das Ziel ihrer Behandlung, Drogenfreiheit n ich, zur Voraussetzung f r eine Behandlung machte, ein ebenso absurdes wie inhumanes Vorgehen? Wie konnte in dem Land, das den Entdecker des Morphiums zu seinen B rgern z te, die Unterversorgung Schwerstkranker mit Schmerzmitteln ein so besch ndes Ausma annehmen? Warum berlie man eine der heikelsten Herausforderungen, der s
Biografie
Michael de Ridder ist Internist und Oberarzt der Aufnahmestation im Krankenhaus Am Urban, Berlin-Kreuzberg und Initiator mehrerer innovativer Drogenprojekte. Er ist außerdem Lehrbeauftragter für Medizinsoziologie und Public Health an der FU und TU Berlin.Anmerkungen:
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